Technik im Kuhstall

Der technologische Fortschritt ist in allen Lebensbereichen eingezogen und kaum mehr weg zu denken. Wer möchte heute noch Spül- und Waschmaschine, Mobiltelefon und Internet missen? Auch auf den Milchbetrieben haben Wissenschaft und technologische Entwicklung das Leben von Mensch und Tier in positiver Weise verändert. Sie erleichtert auf den Betrieben nicht nur dem Landwirt die körperlich anstrengende Arbeit, sondern gibt ihm auch mehr Zeit für das Management seines Betriebes.

Insbesondere am Beispiel der Melktechnik wird der technologische Fortschritt deutlich. Die ersten manuellen Melkmaschinen wurden bereits im 19. Jahrhundert eingesetzt und die ersten elektrischen seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Mussten damals die Melkgeschirre mit den angeschlossenen Eimern noch von Kuh zu Kuh getragen werden, wurde später die Milch über im Stall installierte Rohre direkt in einen Sammel-Kühltank transportiert.

Kühe werden in der Regel zweimal am Tag gemolken (morgens und abends). Der einzelne Melkvorgang dauert pro Kuh durchschnittlich 8 – 10 Minuten. Vor dem Melken wird das Euter gesäubert und die Milch kontrolliert. Das Melkzeug besteht aus vier mit Gummi ausgepolsterten Melkbechern. In diesen wird durch die Melkmaschine ein Unterdruck erzeugt, wodurch die Milch aus den Zitzen gesaugt wird.

Die Kühe werden am sogenannten Melkstand gemolken, dort sind die Melkzeuge installiert. Die Melker stehen in der Melkgrube rund einen Meter tiefer als die Tiere. Je nach Melkstand-Modell werden die Kühe unterschiedlich zur Melkgrube positioniert – z. B. parallel zu dieser oder mit dem Kopf weg von ihr.

Ein verbreitetes Modell ist der Fischgrät-Melkstand. Hier stehen die Kühe in einem etwa 30-Grad-Winkel rechts und links von der Melkgrube. Nach Beendigung des Melkvorgangs werden die Kühe nach vorn aus dem Melkstand entlassen und eine neue Gruppe kommt von hinten zum Melken herein. Die Größe der Anlage ist variabel. Üblich sind vier bis acht Melkplätze je Seite, sodass jeweils acht bis 16 Kühe gleichzeitig gemolken werden.

Filmbeitrag zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=kE-WDmTP1FQ

Für größere Kuhherden lohnt sich die Anschaffung eines Melkkarussells, die es in verschiedenen Größen gibt und effizientes, schnelles Melken von vielen Kühen ermöglicht. In einem Melkkarussell betreten die Kühe eine sich sehr langsam drehende Plattform, wodurch die Kühe zur Melkperson gelangen. Die Melker stehen entweder außen (Außenmelker) oder innerhalb des Karussells (Innenmelker). Seit 2010 gibt es Melkkarusselle, in dem die Melkzeuge mit Hilfe eines Melkroboters (s. unten) angesetzt werden und eine Melkperson nicht mehr notwendig ist.

Anfang 1990 wurden Melkroboter erfunden, bei denen nicht der Mensch das Melkzeug ansetzt, sondern eine Maschine. Sie melken die Kühe besonders schonend. Jede Kuh trägt einen Transponder, ein Funk-Kommunikationsgerät, mit dem der Melk-Automat die spezifischen Daten der jeweiligen Kuh erfasst und weiterleitet. Bei den automatischen Melksystemen gehen die Kühe selbst zum Melken. Ein Melkroboter schafft maximal, eine Herde von 70 Kühen zu melken.

Durch den Wegfall der festen Melkzeiten kann der Landwirt flexibler seine Zeit einteilen. Auch wenn er nicht mehr selbst das Melkzeug anlegt, behält er den Bezug zum Tier. Denn nur durch den täglichen persönlichen Umgang kann er beurteilen, ob es seinen Kühen gut geht.

Filmbeitrag zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=OgYJiVQ9_34