Verrtagsnaturschutz

Gemeinsam mit den Bauern die Natur erhalten

Moderne Landwirtschaft und Naturschutz - da sind Konflikte nicht ausgeschlossen, die es zu lösen gilt. Zur Sicherung des Familieneinkommens ist der Landwirt auf einen guten Milchertrag angewiesen und füttert seine Kühe mit eiweißreichem Futter. Dafür wird junges Gras gemäht und verfüttert. Für den Naturschutz wäre es besser, wenn die Wiesen länger ungemäht wachsen dürften. Dann kommen Pflanzen zur Blüte, die seltenen Tieren Nahrung und Heimat geben oder Nistplätze für bodenbrütende Vögel könnten so erhalten werden. In Nordrhein-Westfalen sucht der Naturschutz seit vielen Jahren in Kooperation mit den Landwirten Möglichkeiten, die Interessen von Naturschutz und Landwirtschaft auszugleichen. Das Instrument dafür ist der sogenannte Vertragsnaturschutz. Im Rahmen eines von der Europäischen Union und dem Land NRW (und in den einzelnen Regionen von weiteren Partnern) finanzierten Programms werden den Landwirten verschiedene Möglichkeiten angeboten, die Bewirtschaftung an Naturschutzzielen auszurichten. So verschieben die Landwirte beispielsweise den Mahd-Termin weiter ins Jahr hinein und beweiden Flächen mit weniger Rindern. Oder sie verzichten auf die Düngung von Wiesen, damit sich auf den mageren Flächen eine größere Pflanzenvielfalt etablieren kann. Eine weitere Verpflichtung ist es auch, dass sie besonders schwierig zu bewirtschaftende Flächen, wie z. B. alte Streuobstwiesen, weiterhin nutzen und so ein Verwildern und damit eine Verringerung des Artenreichtums verhindern.

Für die Naturschutzmaßnahmen erhalten die Landwirte einen finanziellen Ausgleich. Auch für die verringerte Futterqualität und –menge werden die Landwirte entschädigt. Mit dieser landwirtschaftlichen Nutzung und der Integration von Naturschutzflächen in ihre Betriebe erbringen die Landwirte der Allgemeinheit eine hochwertige Leistung zum Erhalt der typischen Kulturlandschaften. Eine Leistung, die durch bezahlte Pflegearbeiten nicht zu finanzieren wäre.

Der „Vertragsnaturschutz“ startete 1985 als Pilotprojekt in der Eifel. Heute ist er auf mehr als 25.000 Hektar in Nordrhein-Westfalen gängige Praxis. Das Konzept ist erfolgreich: Auf den Vertragsnaturschutz-Flächen überleben besonders viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen. Auch die Artenvielfalt hat deutlich zugenommen.